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Willkommen

auf der Homepage der Environmental Colour Design Association ECDA! Bei uns finden Sie Fachleute, die Lösungen für alle Fragen der farbigen Umweltgestaltung erarbeiten.

Was wir tun

Die Environmental Colour Design Association ist der Europäische Berufsverband der freiberuflich tätigen FarbDesigner, Farbpsychologen und Milieugestalter. Wir konzentrieren uns auf die Gestaltung von Lebens- und Arbeitsräumen nach humanökologischen Maßstäben. Dazu verpflichten wir uns zu einer fortwährenden fachlichen Weiterbildung. In unseren Regionalgruppen besteht die Möglichkeit zum persönlichen und fachlichen Austausch. In den ECDA-Studiengruppen erarbeiten wir fachliches Know-how. Dazu tauschen wir uns regelmäßig mit Wissenschaftlern und Hochschullehrern, aber auch erfahrenen Personen aus der beruflichen Praxis aus. Als Berufsverband engagieren wir uns für den Status des Farbdesigns als eigenständige Disziplin.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Kontakt

Mitglieder

  • News & Events

    Roland Aull
    Professionelle Farbberatung
    MHZ-Seminarreihe
    15. September 2016
    Kim Hotel im Park
    (Dresden)
    Weitere Informationen
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8

    Farbe im Kopf: von der Wahrnehmung zur Kunst
    Deutsches Farbenzentrum
    22.–23. September 2016
    Eberhard-Karls-Universität
    (Tübingen)
    Weitere Informationen
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8

    Dr. Hans Jürgen Scheurle
    Sinne und Architektur
    5.–9. Oktober 2016
    Centro de Terapie Antroposophica
    (Puerto del Carmen, Lanzarote)
    Weitere Informationen
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8

    Roland Aull
    Der Resonanz-Farbtest: Testbesprechungen und Erfahrungsaustausch
    28.–29. Januar 2017
    Institut Farbe.Design.Therapie
    (Frammersbach)
    Weitere Informationen
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8

    Roland Aull
    Entwicklung eines professionellen Raumkonzepts für Menschen im Alter
    30. Januar bis 3. Februar 2017
    Institut Farbe.Design.Therapie
    (Frammersbach)
    Caritas Altenzentrum St. Bonifatius
    (Limburgerhof)
    Weitere Informationen
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8

    Environmental Colour Design Association ECDA
    Jahrestagung
    17.–18. März 2017
    (Veitshöchheim)
    ECDA-Weiterbildungspunkte: 8
     

    Im Gespräch

    Meine "computerfreie Marderhaarpinselzeit"

    Interview mit dem Farbgestalter Thomas Stolz (Wiesbaden)

    Als Thomas Stolz vor sechsundzwanzig Jahren die Fassade des Kraftwerks in Frankfurt-Niederrad zum ersten Mal sieht, ist er beeindruckt. Zu Hause angekommen schreibt er an den Gestalter der Fassade, Friedrich Ernst von Garnier, einen Brief. Kurz darauf erhält er eine telegrafische Einladung zum Gespräch. Daraus ergeben sich fünf Jahre der Zusammenarbeit, von 1989 bis 1994.

    Das war meine eigentliche Ausbildungszeit, sagt er heute. Für und mit von Garnier zu arbeiten war für ihn außergewöhnlich und prägend. Er nennt diese Zeit auch schmunzelnd seine „computerfreie Marderhaarpinselzeit". Stolz erinnert sich gerne zurück: "Sich bei wunderbaren und großzügigen Arbeitsbedingungen mit herausfordernden, komplexen Gestaltungsaufgaben auseinandersetzen zu dürfen, war ein echtes Privileg. Von Garnier war für mich ein beeindruckender Lehrmeister, dem ich wirklich viel zu verdanken habe."

    Jede Lehrzeit geht irgendwann zu Ende, und Stolz eröffnet 1994 in Wiesbaden sein eigenes Büro als freischaffender Farbgestalter. 21 Jahre sind seitdem vergangen, die Faszination für die Farbe und die Freude an der Arbeit sind geblieben. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Fassadengestaltung. Auftraggeber sind meistens Architekten und Industrie, die Arbeit für Privatleute ist eher die Ausnahme. Am spannendsten ist für Stolz die Farbgestaltung zusammenhängender Wohngebiete: „Hier werde ich konzeptionell gefordert und immer wieder vor neue Aufgaben gestellt, da kann man zeigen, was man kann“.

    Ursprünglich begonnen hat er seine Berufstätigkeit als Kunsttherapeut nach einem Kunststudium an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg. Seit dieser Zeit begleitet Stolz das Thema Kunst, wobei heute die Fassade zu seiner Leinwand geworden ist, immer in Verbindung mit Farbgestaltung und handwerklicher Ausführung. Hier verbinden sich auch Hightech und Lowtech zu einer Einheit – entworfen auf dem Rechner, ausgeführt zusammen mit Handwerkern auf der Baustelle. „Und überhaupt“, meint Stolz, “bietet 'Kunst am Bau' die größte Freiheit, der Bauherr sagt, 'es gefällt mir' und schon geht es los, ohne große Diskussionen oder Entscheidungsgremien“.

    Rezepte für die Arbeit mit Farbe hat er keine, aber Erfahrungen. Dabei stellt sich für ihn die Frage nach der richtigen Farbgebung jedes Mal neu, weil die Kontexte jeder Gestaltungsaufgabe immer andere sind. So beziehen sich seine Entwürfe auch immer spezifisch und differenziert auf die jeweilige Aufgabenstellung. Häufig findet sich auch eine spielerische Komponente in seiner Arbeit, wenn besondere Ergebnisse gefordert werden. Stolz ist fasziniert von der Vielfalt der Farbenwelt, die dazu einlädt, auf Entdeckungsreise zu gehen und die immer wieder neue Erfahrungen und Weiterentwicklungen ermöglicht. Diese Möglichkeiten erprobt er auch seit ein paar Jahren mit seinen projektbezogenen, temporären Lichtinstallationen. „Hier kann ich besonders spielerisch und künstlerisch, losgelöst von materiellen Zwängen, der Faszination Farbe nachgehen.“

    Nicht von ungefähr zitiert Stolz auf seiner Visitenkarte Walter Gropius: „Stil ist nichts Endgültiges, sondern beständiger Wandel“. Gewandelt hat sich in den letzten Jahren auch der Faktor Zeit. Das Bauen wird immer schneller. Viel zu spät wird ans Farbkonzept gedacht, häufig beträgt der Planungszeitraum nicht mehr als zwei Wochen vor Beginn der Ausführung. Das bedeutet für den fertiggestellten Entwurf: Zustellung per Express. Hier wünscht Stolz sich ein Umdenken, das der Wichtigkeit und Komplexität der Farbgestaltung mehr Rechnung getragen wird. Ob er sich noch einmal für die Farbgestaltung entscheiden würde? „ Ja! Künstlerisch arbeiten und davon leben zu können - was will man mehr. Es ist ein Privileg, wenn die Arbeit Spaß macht.“

    Das Interview führte Claudia Bau, Mitglied im Vorstand der ECDA

    Weiterbildung

    Fachgespräch Architekturbeleuchtung

    ECDA-Mitglieder und einige Gäste der ECDA-Jahrestagung beim Gruppenfoto mit ERCO zum Abschluss der Light & Building 2016 in Frankfurt am Main.

    ECDA Jahrestagung 2015

    Zwei Tage lang spannende Projekte, ungewöhnliche Ideen und anregende Diskussionen - das war die Jahrestagung der ECDA, dieses Mal in Veitshöchheim. Der erste Tag begann mit der Wäscheleine - die Projekte der Mitglieder und Gäste wurden vom jeweiligen Gestalter präsentiert, einfach „an die Leine gehängt“, um anschließend in der Runde besprochen zu werden. Wäscheleine bedeutet auch, neben der Präsentation, Klärung der offen gebliebenen Fragen, Besprechung der möglichen Alternativlösungen, Erhellung der dazugehörigen wissenschaftlichen oder praxisorientierten Gestaltungsgrundlagen. „Wir tun das deshalb, weil wir überzeugt sind, dass das Lernen an konkreten Beispielen uns persönlich und uns als Verband am meisten bringt“, erläuterte Roland Aull, Präsident der ECDA.

    Claudia Rössner präsentierte die Fassadengestaltung eines großen Bauträgerobjekts, Gyan Schneider stellte Privaträume in Kalk und Lehm vor, Anke Rossmann-Kaltenbrunner ein Hospiz und Herbert Schönweger ein Altenwohnheim, das er in eine kleine Stadt umgewandelt hatte, mit Marktplatz, Café und Gasthaus. „Es kostet schon Überwindung, sich dem kritischen Hinterfragen der Kollegen zu stellen. Aber man kann dadurch nur lernen“, meinte Stefan Pixner, der gemeinsam mit dem Architekten Hans Bühler von Riehle und Assoziierte das Farbkonzept für einen Schulneubau vorstellte.
     
    Es war spannend zu sehen, wie jeder Einzelne mit seiner Aufgabenstellung umging, warum er wie welche Lösungen entwickelte und auf welchem Wege es zu einer Auftragsvergabe gekommen war. Häufig ergab es sich eher zufällig über persönliche Kontakte zu den Bauherren. Die Architekten sträubten sich gegen einen kreativen Mitgestalter auf der Baustelle, so die Erfahrung der Beteiligten. Im Laufe der Zusammenarbeit würde sich das Verhältnis aber meistens bessern. „Der professionelle Umgang mit Farbe gehört, nach meiner Meinung, genauso in die Hände von Fachleuten, wie der Umgang mit der Form“, ergänzte der Farbgestalter, Restaurator und Architekt Herbert Martin. „Fachleute wie die ECDA-Mitglieder treibt eines an, die Farbe neben der Form als elementaren Bestandteil eines Gebäudes zu positionieren. Das sei auch der Grund für den Focus der ECDA, neben der Bearbeitung von Marketingstrategien, auf der fachlichen Qualifizierung und Weiterbildung der Mitglieder“.
     
    Auch im Forum und der Mitgliederversammlung ging es um berufliche und verbandsrelevante Themen, wie beispielsweise die Analyse des aktuellen Marktgeschehens, vertikale und horizontale Kooperationen, Berichte der Regional- und der Studiengruppen, sowie die Möglichkeiten zur Angebots- und Leistungsoptimierung.
     
    Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Sinne. Dr. Hans-Jürgen Scheurle, Arzt, Autor und Dozent, leitete das Seminar: „Sinne und architektonische Gestaltung“. Scheurle begeistert das Thema Wahrnehmung und Sinne schon sein ganzes Leben: „Ich möchte in meinen Vorträgen und Seminaren die Idee praktisch werden lassen, dass unser gesamtes Leben in Wahrnehmung besteht und es daher von Bedeutung ist, die Sinne zu kennen.“
     
    Dr. Scheurle schilderte anschaulich, wie wir mit den Sinnen, beispielsweise dem Bewegungs-, dem Gleichgewichts- und dem Tastsinn, Gebäude auch auf einer körperlichen Ebene erfahren. Nur mit unseren Sinnen können wir eine exakte Verbindung zu unserer Welt herstellen. Werden die Sinne vernachlässigt, entsteht häufig folgende Problematik in der Gestaltungspraxis: Der Kunde hat sich etwas ausgedacht, und diese Idee soll umgesetzt werden. Der Gestalter muss jetzt herausfinden, ob der Kunde sich darin auch wohlfühlt. Um sich wohl zu fühlen müssen die Lebensempfindungen des Kunden mit dem Raum korrespondieren. Lebensempfindungen sind immer Sinnesempfindungen und diese kann man sich nicht ausdenken, man kann sie nur erfahren. Eingerahmt wurde das Seminar deshalb auch von mehreren Wahrnehmungsübungen, die alle in Erstaunen versetzten.
     
    Den Abschluss dieser Veranstaltung bildete eine Fragestunde mit Erfahrungsaustausch, die gerne angenommen wurde. Die Farbdesigner der ECDA waren sich einig, eine humane Gestaltung sollte alle Sinne anregen, dabei ausbalanciert sein und sich im Gleichgewicht befinden. Und auch im nächsten Punkt herrschte Einigkeit: „Nächstes Jahr kommen wir wieder“.

    Bericht: Claudia Bau, Mitglied im Vorstand der ECDA

    ECDA regional

    Regionalgruppe Rhein-Main
    Ansprechpartner: Roland.Aull Enable JavaScript to view protected content.

    Regionalgruppe München
    Ansprechpartner: Stefan Pixner Enable JavaScript to view protected content.

    Rezensionen

    Kommentar

    Braucht man 1500 Farbtöne?

    Farbnuancen müssen mit einer Vielzahl farbiger Materialien harmonieren
    Interview mit Roland Aull in der Zeitschrift "Mappe", Callwey Verlag (München)

    Mappe: Mit den bekannten Farbsystemen und Farbkollektionen werden Malern, Architekten und Designern zwischen 800 und 5.984 unterschiedliche Farbnuancen angeboten. Wie viele Farbtöne braucht der professionelle Gestalter für die Farbgebung unserer Bauten innen und außen wirklich?
    Roland Aull: Die Zahl der angebotenen Farbtöne ist weniger wichtig, entscheidend ist vielmehr, ob für die AufgabensteIlung die richtigen Farbnuancen ausgemustert sind. Hier sehe ich Defizite. Der Grund liegt darin, dass die Anbieter von Farbkollektionen meist nur in den Farbtönen ihrer eigenen Produkte denken. Als Gestalter brauche ich jedoch Farbnuancen, die mit einer Vielzahl farbiger Materialien, etwa Bodenbelägen, Stoffen, Steinen oder Hölzern, harmonieren.

    Mappe: Durch Ihre Tätigkeiten als freier Farbdesigner, aber auch als Ausbildungsleiter des Aufbaustudiums Farb-Design kennen Sie die am Markt angebotenen Farbkollektionen in allen Details. Mit welchen Farbfächern arbeiten Sie bei welchen AufgabensteIlungen und warum?
    Roland Aull: Die visuellen Unterschiede bei den gebräuchlichsten Farbkollektionen sind häufig minimal. Das liegt daran, dass sie mit den Pasten einiger weniger Hersteller und stets nach der gleichen Systematik aufgebaut sind. Die Unterschiede liegen oft nur in der Auswahl der gesättigsten Farbtöne des Farbkreises, als Basis für die Ausmischung bunttongleicher Ebenen, sowie in der Ausstattung und Handhabung der Kollektionen. In meinem Regal stehen daher auch eher seltene oder unbekannte Farbfächer. Für lacktypische Flächen arbeite ich häufig mit der Sikkens 4041 und für Innenraumkonzepte am liebsten mit der alten Caparol 3D, die noch Klaus von Saalfeld entworfen hat. Für Innenräume mit humanökologischem Anspruch verwende ich zunehmend die von uns entwickelte humancolours-Kollektion. Sie hat lediglich 175 Farbtöne, die jedoch ausgezeichnet mit den typischen Materialien und Oberflächen der heute üblichen Räume harmonieren. humancolours ist übrigens ganz bewusst nicht als System konzipiert, sondern als erweiterbare Farbensammlung.

    Mappe: Die richtige Farbgestaltung von Architektur setzt ein bestimmtes Grundwissen über Farben und deren Mischungen voraus. Das breite Angebot an Arbeitsmitteln zu den verschiedenen Farbsystemen legt den Verdacht nahe, dass das Farbmischen, wie es früher in jedem Malerbetrieb üblich war, heute in der Ausbildung an den Fach-und Meisterschulen des Berufs zu kurz kommt.
    Roland Aull: Aus meiner Praxis kann ich berichten, dass ich wenig Maler kenne, die Farben noch mit der Hand mischen. Das führt dazu, dass es dann schwer wird, Farben harmonisch abzustimmen, also vereinfacht gesagt, mit Farben zu gestalten. Aus diesem Grund wird bei uns im Aufbaustudiengang Farb-Design von Beginn an konsequent mit Nassfarben gearbeitet. Denn wer beim manuellen Farbenmischen sicher ist, erarbeitet sich Seherfahrungen und damit gleichzeitig die Fähigkeit, Farben und ihre Nuancen in ihrer Wirkung beurteilen zu können. Das gilt dann übrigens auch für das Gestalten mit farbigen Materialien und Oberflächen. Vielleicht mag es Sie überraschen, dass manuelles Farbenmischen relativ leicht zu erlernen ist. Auch absolute Farblaien schaffen selbst komplexe Mischungen bei uns spätestens bis zum Ende der zweiten Kurswoche. Es ist schade, dass diese grundlegenden Kompetenzen heute auf weiter Flur fehlen. Daher sind stimmige Farbgestaltungen heute eher die Ausnahme als die Regel.

    Text: Klaus Halmburger (Murnau)

    Kommentar

    Feng Shui: Harmonielehre oder clevere Marketingstrategie?

    …kommt ein Drache geflogen!

    Feng Shui ist überall, aber was ist dran an dieser fernöstlichen Lehre? Erfunden haben es die Chinesen, ein Volk, das dem Individuum wenig Wert beimisst, mit Regeln, die der eigenen, eben der fernöstlichen Mentalität und Tradition entsprechen. Sich mit Hilfe von Feng Shui die Gunst der Ahnen zu erhalten, war und ist von großer Wichtigkeit für ein gutes Leben der Nachfahren. Entwickelt über Jahrhunderte, eingebunden in Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus, entstanden unzählige Schulen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlichen Lehrmeinungen. Irgendwann bestimmte man mit Hilfe von Feng Shui dann auch die richtige Lage des Bauplatzes, Feng Shui fand den Weg in die Gärten und schließlich wurde es zum allumfassenden Mittel für die „richtige“ Gestaltung der Innenräume.

    Um 1980 erreichte diese Religion, Harmonielehre, Philosophie, Lebenshilfe den Westen. Die rituelle Ahnenverehrung, als häufiges Kennzeichen außerchristlicher Religiosität, wurde abgestreift. Angereichert mit mitteleuropäischer Esoterik wurde das Fernöstliche immer leichter verdaulich und entwickelte sich so rasant zum Allheilmittel für alle Lebenslagen.

    Aber warum? Warum ist Feng Shui erfolgreich? Weil es neben den Rezepten für die Raumgestaltung auch gleich die Lebenshilfe mitliefert? Wahrscheinlich ist es genau diese Verknüpfung, die es für viele Menschen so anziehend macht. Man hat vielleicht Ängste, ist unzufrieden mit sich und seiner Situation, hat keine Energie die Probleme selbst anzugehen – und schon kommt das Chi ins Spiel, die kosmische Energie, durch angewandtes Feng Shui in die richtigen Bahnen gelenkt. Das Chi, das alles für mich regelt. Schrank rücken, Spiegel auf- oder abhängen, ein Rot an der richtigen Stelle im Raum platziert und schon ist man wohlhabend, erfolgreich in Beruf und Partnerschaft?

    Betrachtet man die gestalterische Praxis des Feng Shui, sammelt es die Menschen da ein, wo unsere klassisch ausgebildeten Gestaltungsprofis sie stehen lassen. Im sterilen, durchdesignten Raum ohne jede Anmutung. Leider wird in der Architekten- und Innenarchitektenausbildung die Erforschung der Wirkung von Räumen auf uns Menschen vernachlässigt. Wahrnehmungs- und Architekturpsychologie waren und sind kein Thema im Studium und auch nicht in der beruflichen Weiterbildung. Gebäude werden auf einer rein intellektuellen Basis entwickelt, reizarme Monotonie (beispielsweise Sichtbeton) wird mit erhöhenden Metaphern umschrieben und als Purismus verkauft. Wer das nicht will, wird als ungebildeter Laie belächelt.

    Und genau da setzt Feng Shui an. Verspricht harmonische Räume im Einklang mit dem guten Chi, dazu Karriereschub und Reichtum. So nimmt es mancher gerne hin, dass im Feng Shui vieles wie gebastelt wirkt. Beispielsweise durch den Einsatz von Windspielen, Delfinen, Glaskristallen und Zimmerbrunnen, ohne jeden Zusammenhang zur individuellen räumlichen Situation, als Resultat der rezepthaften Umsetzung rezepthafter Berechnungen. Darüber geht auch im Feng Shui, zwar aus anderen Gründen, aber ähnlich wie bei unseren westlichen Gestaltungsprofis, der Bezug zum Raum und den ihn bewohnenden Menschen verloren.

    Spätestens beim Thema Farbgestaltung kommt Feng Shui endgültig ins Schlingern. „Im Feng Shui gibt es keine klassische Farblehre…, sondern die Farben werden dem WU Xing (Wandlungsphasen oder auch 5 Elemente genannt) zugeordnet“, schreibt Mark Sakautzki (Imperial Feng Shui Meister 2008, verliehen durch Grand Master Chan Kun Wah) von der Internationalen Feng Shui Akademie in Hamburg. Genau das ist der Punkt: Farbgestaltung hat im Feng Shui keine Tradition! Und wie geht man dann hier mit der Komplexität des Themas um? Den fünf Elementen wird jeweils eine (!) Farbe als Symbol zugeordnet. Dazu gibt es die Möglichkeit, ein paar Farbkombinationen einzusetzen, die beispielsweise Glück oder Unglück verheißen, schnell noch ein wenig westliche Farbpsychologie eingemischt und fertig!

    Farbgestaltung mit Feng Shui ist eine clevere Anpassung an aktuelle westliche Trends und dementsprechend eindimensional. Der Feng Shui Berater hat gerechnet und kombiniert, mit dem Ergebnis, an die Wand hinter dem Schreibtisch kommt Rot. Da stellt sich sofort die Frage, welches Rot? Auch das ungeschulte Auge kann fast unendlich viele Rottöne unterscheiden. Und wie erfolgt die Einbindung des Rot in das farbliche Gesamtkonzept des Raumes? Wie geht man damit um, dass jeder Farbton, in Beziehung zu seiner Umgebung gesetzt, eine völlig andere Wirkung entfalten kann als auf der Farbkarte? Wie verhält sich das Rot zu den Raumproportionen, den Materialfarben, der Möblierung und den Lichtverhältnissen? Auf diese Fragen gibt uns Feng Shui keine Antwort! Die Auswahl des spezifischen Rottons und seine Einbindung im Raum kann der Feng Shui-Berater also höchstens nach seinem persönlichen Ermessen gestalten. Nach Geschmack und ohne jede Grundlage. Da stellt sich die Frage, wer wird und wie wird man eigentlich Feng Shui-Berater?

    Zuerst einmal - jeder kann Feng Shui erlernen und ganz schnell ausüben. Jeder, der über die finanziellen Mittel verfügt. Vorwissen ist nicht erforderlich, weder raumbildnerisch noch handwerklich, schon gar nicht im Umgang mit Farbe, noch sonst in irgendetwas. Wochenseminar genügt, bei Meistern, die keiner kennt, deren Schriften hier nicht erschienen sind.

    Wie lässt sich das verbinden mit der Allmacht des Feng Shui, mit dem Chi, als kosmischer Energie? Im asiatischen Raum, eine Hilfe, um sich damit zu arrangieren, dass man sich als Individuum machtlos gegenüber den Verhältnissen sieht. Mit äußeren Kräften, die es schon richten werden? Wie viel westliches Gedankengut und Individualität ist mit der Feng Shui-Tradition kompatibel? Oder anders herum, werden da nicht Grundfeste zerstört, durch eine Verwestlichung, auf Teufel komm raus? Oder gibt man sich einfach zufrieden, mit ein bisschen Esoterik, ein bisschen Harmonielehre, ein bisschen Lebenshilfe?

    Warum öffnen wir uns nicht einfach für das offensichtlich Sichtbare? In der Raumgestaltung gibt es allgemeingültige und mentalitätsunabhängige Kriterien, die als Basis immer erfüllt sein sollten: Sauberkeit, Ordnung, gutes Licht, klare Strukturen und Eindeutigkeit in der Nutzung. Das wissen wir nicht erst seit Feng Shui. Bespricht man dann gemeinsam zu Beginn einer Gestaltung die anzustrebende Atmosphäre, das alles verbindende Thema des Raumes, kann man erreichen, dass Farben, Formen, Materialien, Oberflächen, Licht und Schatten, der gewünschten Atmosphäre entsprechend, ausgesucht und eingesetzt werden und so aufeinander Bezug nehmen können. Kommt dazu die Verwendung möglichst natürlicher Materialien in ansprechender Haptik, der Einsatz von gutem Licht und einer subtilen Farbgestaltung, entstehen stimmungsvolle Räume - ausbalanciert und alle Sinne anregend.

    Braucht man dagegen Heilsversprechen, um ein Gestaltungsprinzip zu etablieren, kann das ein Zeichen dafür sein, dass man sich nicht sicher ist in seiner Arbeit und nicht im Glauben daran.

    Claudia Bau ist Architektin in Wiesbaden und Mitglied im Vorstand der ECDA

    Drucksachen

    Roland Aull
    Farben für Menschen im Alter
    Verlag Farbe und Gesundheit
    Frammersbach 2015

    Christian Rittelmeyer
    Einführung in die Gestaltung von Schulbauten
    Verlag Farbe und Gesundheit
    Frammersbach 2013

    Downloads

    ECDA Jahrestagung 2016: Einladung + Anmeldung
    Download
    Sichtbeton

    "Sichtbeton – Traum oder Albtraum" von Claudia Bau, in: Malerblatt 5/2014

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    Schule

    "Sinnlich oder wirtschaftlich" von Claudia Bau, in: Malerblatt 2/2015

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    ECDA Satzung

    Stand: 15. November 2015

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    Kontakt

    Environmental Colour Design Association ECDA
    Wiesenfurt 26
    97833 Frammersbach
    Deutschland
    +49 9355 99780
    www.e-c-d-a.eu
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    Impressum

    Environmental Colour Design Association e.V.
    Vereinsregister Würzburg VR 200820
    Eingetragen am 29. April 2014

    Wiesenfurt 26
    97833 Frammersbach
    Deutschland
    Telefon: +49 9355 99780
    Telefax: +49 9355 970 57 26
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    Präsident: Roland Aull (Frammersbach)
    Vizepräsident: Stefan Pixner (Eberfing)